"Wie hältst Du's mit der Religion?"

Rüdiger Weida fragt:

"Hallo Kerstin, nachdem schon Gysi die Kirchen als unverzichtbar zur Sicherung von Werten bezeichnet hat, sagt nun auch euer Bundesgeschäftsführer: "...dass die DDR Fehler im Umgang mit der Religion gemacht habe. Junge Leute sollten sich stärker an Werten orientieren. «Die Werte, die Kirche vermittelt, sollten dabei sogar noch stärker als bisher im Mittelpunkt stehen." Misst auch du den Werten, die Kirchen vermitteln, besondere Bedeutung zu? Wie stehst du zu deren vielen Sonderrechten?"


Hallo Rüdiger,

Vielen Dank für deine Frage und Entschuldigung dass die Antwort etwas länger dauerte.

Religionen sind aus der Kulturgeschichte nicht wegzudenken – das menschliche Wertegefüge entstammt zu einem großen Teil religiösen Wurzeln. Das muss man achten und pflegen – dazu gehört auch der Respekt gegenüber Kirchen und Glaubensgemeinschaften als religiösen Institutionen. Freilich ist nicht gesamte Wertegefüge moderner Gesellschaften religiös begründet – Aufklärung und Säkularisierung haben ihrerseits ebenfalls starken Einfluss darauf ausgeübt. Dazu kam: Mehr und mehr Menschen bedurften nicht mehr eines göttlichen Gebots, um sich moralisch zu verhalten. Ein Monopol über oder eine Rolle als höchste Instanz in Sachen Wertehaushalt kommt weder Religionen noch Religionsgemeinschaften zu.Die Trennung von Staat und Kirche hat sich nicht nur in entwickelten Ländern christlicher Tradition, sondern auch z. B. in der Türkei als wichtiges Element moderner Verfassungswirklichkeit bewährt. Dabei sind verschiedene Formen möglich.   Wir halten das Dreieck von Religionsfreiheit, weltanschaulicher Neutralität des Staates und Selbstbestimmung aller Religionsgemeinschaften, wie es in Deutschland schon in der Weimarer Verfassung festgeschrieben wurde, für eine bewährte Konstruktion. Das betrifft auch die auf dieser Grundlage entstehenden „gemeinsamen Angelegenheiten“ etwa im Bereich der gesundheitlichen und sozialen Betreuung.