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Kerstin Kaiser im Plenarsaal des Landtags Brandenburg. In Hintergrund Ministerpräsident Platzeck.

Wir leben mittlerweile in einem sehr veränderten Land, das die politischen Lehren und die Erfahrungen jedes Einzelnen aus der Geschichte für ein friedliches, menschliches Miteinander gut gebrauchen kann.

Was ich falsch gemacht habe, wird mich mein Leben lang beschäftigen und quälen. Quälen auch deshalb, weil ich aus heutiger Sicht sagen kann: Es wäre möglich gewesen, nein zu sagen, sich zu verweigern. Nein, ich kann nicht sagen, ob und welche Folgen es gehabt hätte. Aber es hätte die Entscheidungsmöglichkeit gegeben und das ist eine wichtige Erkenntnis für alles, was ich heute tue. So wichtig, wie die Erkenntnis, dass es viele Gründe geben kann, einen Fehler zu machen, aber all diese Gründe nichts daran ändern, dass es ein Fehler ist. Und dass man dazu stehen muss. Wenn man Politik machen will und um das Vertrauen anderer wirbt.

In der politischen Arbeit als Abgeordnete in einem demokratischen System, das ich befürworte und weiter ausgestalten möchte, hilft mir das Reden und Nachdenken über meine Fehler, und mir hilft die Erfahrung des Scheiterns eines auf Glaube, Disziplin und Macht über das Individuum beruhenden Systems, in dem der Zweck die Mittel heiligte und Verantwortung delegiert wurde.

Ich will und kann, ja muss es heute anders machen: Ich will nicht akzeptieren, wenn durch herrschende Politik Menschen hilflos gemacht und ausgegrenzt werden, ich muss offen kritisieren und nach alternativen Wegen suchen, wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin. Mein ganz persönliches Handeln im Alltag bis hin zu jeder einzelnen Abstimmung im Parlament bekommt so eine gesellschaftliche und politische Dimension. Und dieses Handeln will und habe ich selbst zu verantworten.

In diesem Sinne hab ich im Kreis und später im Land Politik betrieben, Sozial-, Gleichstellungs- und Familienpolitik, Innenpolitik. Diese Erkenntnis blieb mir ein Kompass, half mir dabei, glaubwürdig zu sein als Mensch in der Familie und unter Freunden, erkennbar zu sein als demokratische Sozialistin. Ich baue darauf, dass dies zählt. Dass es wiegt, ohne aufzuwiegen. Denn darum ging und geht es mir nicht, aufzuwiegen, abzuwiegeln, in die Schublade zu packen. Die Auseinandersetzung mit Geschichte, auch mit meiner ganz persönlichen Lebensgeschichte, hört für mich nicht auf. Daran kann und will ich gemessen werden.

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